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Leberecht Hühnchen
Heinrich Seidel

»Der Weihnachtsmann hat mehr zu sagen, als der König von Preußen.«

Heinrich Seidel

Leberecht Hühnchen gehörte zu den Bevorzugten, denen eine gütige Fee das beste Geschenk, die Kunst glücklich zu sein, auf die Wiege gelegt; er besaß die Gabe, aus allen Blumen, selbst aus den giftigen, Honig zu saugen. Ich erinnere mich nicht, daß ich ihn länger als fünf Minuten lang verstimmt gesehen hätte, dan brach der unversütliche Sonnenschein seines Innern siegreich wieder hervor, und er wußte auch die schlimmste Sache so zu drehen und zu wenden, daß ein Rosenschimmer aus ihr ausging.

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Maren
Johann Hinrich Fehrs (1838-1916)

Ein Dorfroman aus der Zeit von 1848-1851
Aus Kapitel Fünfzehn

Der Winter zog mit Sack und Pack ein. Einen Schneesturm schickte er aus Norden voraus, so dass Wege und Stege schon bald mit einem schlohweißen Laken bedeckt waren, dann kam der Frost und brachte Quellen und Bäche zum Stillstand. Das weite Feld lag nun erst recht da wie ein großer Friedhof - alles tot und begraben - der trockene Ostwind zog darüber hin. Was noch Leben in sich hatte, sammelte sich im und ums Haus herum: Krähen, Spatzen, Goldkehlchen, Drossel und Haubenlerche trieben sich auf dem Hofplatz oder in den kahlen Bäumen herum; Maus und Marder hausten in Stall und Scheune, und die Armut klopfte heftig an die Tür.

So kam Weihnachten heran, das schönste Fest im Jahr für Kinder und alte Leute. Was draußen in der Fremde war und noch keine eigene Bleibe hatte, steuerte nach Hause zu Vater und Mutter, und schon sah man in der Dorfstraße herumschlendernde Soldaten, Lehrlinge, Gesellen und Bauernknechte - alle in ihrer besten Kleidung, mit Pfeife und Zigarre und einem vergnügten Gesicht, und die frischen jungen Mädchen hatten viel zu sehen, zu fragen und zu necken. Und als die Heilige Nacht ihren blitzblanken Himmel aufstellte, drang aus Hütten und Häusern ein Lichtschein wie man ihn das ganze Jahr nicht sah, und hinter den angetauten Fensterscheiben waren die Kälte und die ernsten Zeiten ganz vergessen, die helle Freude lachte aus jungen und alten Gesichtern.

Bei Paul Struck ging es auch vergnügt zu. Knechte und Mägde hatten am Abend ihren Schmorbraten mit Kartoffeln, eine Mahlzeit, wie Klaus Lamack sagte, bei der man sich außer Rand und Band aß. Und dann lag da für jeden ein nettes Geschenk, wie Leinen und Kleiderstoff für Hemd oder Anzug, Pulswärmer, Tücher und so etwas, auch Nüsse und Äpfel und Braune Kuchen.

Das Hauptvergnügen war ein schöner Tannenbaum und darunter allerlei Puppensachen, Spielzeug, Strümpfe, Holzschuhe, Kleidung, Bücher und Bilder aus Neu-Ruppin. Da hatten Knechte und Mägde mit zugesteuert, hatten auch einige arme Kinder herangeholt, das waren die des Webers Timm Bolten, der als Kanonier im Felde stand, und keinen Urlaub bekommen hatte. Paul hatte erst gar nichts davon wissen wollen, denn so etwas kannte er nicht, einen Tannenbaum hatte er in seinen Kinderjahren auch nicht bekommen, der Weihnachtsabend war für ihn verlaufen wie jeder andere. Er nannte das Narretei und schimpfte über den Aufwand und das schöne Geld, das man für die Kinder verplemperte. Aber das war ja nun einmal alles da. Maren hatte ihm keine Zeit dazu gelassen, lange darüber nachzudenken, und als nun die arme Mutter kam und ihm mit Tränen in den Augen die Hand drückte, da wurde er still, und als die Kinder vor Freude aufkreischten und hoch sprangen, da stand er mit sauersüßem Gesicht da und sah sich das Vergnügen an, beide Hände in den Taschen.

Der Roman 'Maren' erschien 1907
1848-1851 Schleswig-Holsteinisch - Dänischer Krieg

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