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Die Farm in den grünen Bergen

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Die Weihnachten
Alice Herdan-Zuckmayer (1901-1991)

Auszug aus dem Buch Die Farm in den grünen Bergen

Die letzte richtige Weihnachtsfeier war 1937 in unserm Bauernhaus in Henndorf gewesen.

Mit dem Turmblasen begann es.

Am späten Nachmittag leiteten die Bläser vom Kirchturm mit alten Liedern die Weihnacht ein.

Dann trappelten die Bauernkinder in unser Haus, an die sechsunddreißig Stück spielten ihr Weihnachtsspiel und wurden beschert.

Dann kam die Familienbescherung unter dem großen Christbaum.

Je kleiner und jünger unsre Kinder waren, desto größer mußte der Baum sein.

Dann kam das Essen, reichlich und rituell, und dann kam das Aufbleiben bis Mitternacht.

Man beschaute sich seine Geschenke, man spielte mit den Kindern, man streckte die Zeit bis Mitternacht.

Man ging zur Mette, den Hügel entlang zur hell erleuchteten Kirche. Von allen Seiten strömten bemäntelte Gestalten der Kirche zu, die ihre Laternen vor sich hertrugen.

In der Kirche war eine große Krippe aufgestellt, barocke Bauern und Hirten knieten holzgeschnitzt um das Kind in der Wiege, und in der Kirche selbst roch es stallmäßig nach Hirten und bäuerlichen Anbetern, die in den Bänken knieten und Weihnachtslieder sangen.

Nach der Mette waren wir alljährlich bei Herrn Carl Mayr eingeladen, unserm Freund, dem Erbeingesessenen und Herrn von Henndorf.

Er erwartete uns in seinem Gartensalon. Sein Haus sah aus wie ein kleines Schloß.

Das Leben auf der Wandtapete des Gartensalons war sehr bewegt und stellte eine Reise in Amerika vor mit Wäldern, Indianern und Kutschen, in denen altmodische Damen und Herren zum Niagara fuhren.

Es soll nur fünf solcher Tapeten geben, eine davon ist in einem Haus im Staate New Hampshire.

Das Zimmer selbst war voll zierlicher seidener Möbel, und da stand der Tisch, feierlich gedeckt mit viel Silber, köstlichem Porzellan und kristallenen Gläsern. Es gab das traditionelle aufweckende Essen für Mettenbesucher: Weißwürste und Bier, Torten, Bäkkerei und Wein. Später in der Nacht: Champagner. Die Kinder blieben nach dem Essen eine Weile bei uns im Zimmer, dann zogen sie sich in die Küche zurück zu der Haushälterin, die einmal ihre Kinderfrau gewesen war. Sie waren schlaftrunken, aber zu stolz, um es zuzugeben, und wollten das lange Aufbleibendürfen, ihre längste Nacht im Jahr, bis zur Neige auskosten und genießen.

Das war die Henndorfer Weihnacht.

Es kommt mir vor, als würde sie so lange zurückliegen wie meine Kindheit.


Kurzbeschreibung: Die Farm in den grünen Bergen

Mit der außerordentlichen Frische der ihr eigenen reinen Erzählfreude zeigt Alice Herdan-Zuckmayer, was das eigentlich ist: einfache Liebe zum täglichen Leben. -In diesem Buch-, schreibt sie, -ist nichts erfunden.- Wie sie und -Zuck- mit ihren beiden Töchtern, aus Europa vertrieben, als stadterfahrene Bürger das Abenteuer Fremde wagen müssen und das Abenteuer Landwirtschaft meistern - wie sie allen Widrigkeiten der Zeit und der Natur zum Trotz in Vermont, in den grünen Bergen, eine Heimat finden und die Backwoodsfarm aufbauen - wie Carl Zuckmayer drei Jahre lang nachts nach getanem Tagwerk sein großes Drama -Des Teufels General- schreibt - diese ihre Schilderung ist zu einem der liebenswertesten Bücher deutscher Emigration geworden. Der große Charme, der von der Natürlichkeit des Tones ausgeht, spiegelt sich in den Fotos aus Privatbesitz.


Anmerkung: Frau Zuckmayer war ein jährlicher Gast im damaligen Seiler Hotel Neues Schloss in Zürich. Jenes Hotel wo ich eine Lehre als Hotelfachassistentin abschloss.

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