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Adventskalender |
Vorfreude auf Weihnachten Von Alain Wey - Schweizer Revue Die Weihnachtsmärkte mit ihren Buden und ihrem Lichterglanz bringen in der Adventszeit das Leben in die Strassen und Gassen der grösseren und kleineren Schweizer Städte zurück. Ihre Geschichte begann vor hunderten von Jahren im Elsass und in Bayern - hier zu Lande gibt es sie hingegen erst seit knapp dreissig Jahren. Ein Rundgang durch ein paar Schweizer Weihnachtsmärkte. Die Zeit der Weihnachtsmärkte kündigt sich an, wenn die Nächte länger werden. Es funkelt und glitzert, und die kalte Winterluft ist vom Duft von Glühwein, Lebkuchen und Gebäck erfüllt. Ab November schiessen sie wie Pilze aus dem Boden, und wer nicht weiss, dass der erste Schweizer Weihnachtsmarkt vor nicht einmal dreissig Jahren in Bern entstand, glaubt sie einer uralten Sitte entsprungen. Weihnachtszauber und Geschäft gehen Hand in Hand - wenn dann noch Authentizität und Ambiente hinzukommen, stellt sich die richtige Stimmung ganz von selber ein. Im Herd eines Holzhäuschens knistert ein Feuer. Eine jahrhundertealte Weise weckt frohe Erinnerungen. Der Advent ist die Zeit, wo sich die Herzen öffnen und sich glänzende Kinderaugen an Märchen nicht satt sehen können. Da auch die leiblichen Genüsse nicht zu kurz kommen dürfen, locken Düfte und Geschmäcke, die man beinahe vergessen glaubte. Hier zieht einer Kerzen, dort hält der Weihnachtsmann Audienz. Wollte man die Schweizer Weihnachtsmärkte aufzählen, man käme an kein Ende. In den letzten zehn Jahren hat ihre Beliebtheit ständig zugenommen. Ob klein oder gross, mehr oder weniger authentisch: Sie haben die Herzen der Schweizer im Sturm erobert. Sie hauchen dem Winter Leben ein, wenn sie die Gassen mit ihren vielen Holzhäuschen und Ständen bevölkern. Wo früher Winterschlaf war, herrscht emsiges Treiben. Man kauft, was das Herz begehrt, entdeckt Neues, teilt sich seine Eindrücke mit. Der eilige Tourist hat dem ruhigen, kontemplativen Besucher Platz gemacht, der sich ganz von der Zauberlandschaft vereinnahmen lässt. Es sind nicht zuletzt die einfachen, aus Holz und anderen, fast schon vergessenen Stoffen gefertigten Dinge, die für diesen Zauber mitverantwortlich sind. Der Weihnachtsmann zwischen See und Bergen Ein schönes Beispiel für einen gelungenen Weihnachtsmarkt ist der von Montreux, "Montreux Noël" genannt. Er war einer der ersten in der französischen Schweiz und dauert dieses Jahr vom 25. November bis 24. Dezember. Er ist vor elf Jahren einer Idee von Freunden und Geschäftsleuten der Waadtländer Riviera entsprungen und zieht mit seinen 120 Chalets und ihren Handwerkserzeugnissen so viele Besucher wie kaum ein anderer hier zu Lande an. Mit dem Genfer See und den Bergen als Kulisse, wartet er mit zahlreichen Attraktionen auf. Eine ist die magische Welt des Weihnachtsmannes, der sein Büro auf den 2032 Meter hohen Rochers-de-Naye hat und auf dem Marktplatz in Montreux ein Spielwarenatelier unterhält. Weitere Anziehungspunkte sind der "Magische Garten", ein Holzfällerdorf und verschiedene Tiere. Von den vielen Farben, Lauten und Bildern geht ein einzigartiger Zauber aus. 2004 wurden rund 300000 Besucher gezählt, 70000 mehr als 2002. Yves Cornaro, der Präsident des Weihnachtsmarkts, glaubt damit die obere Grenze erreicht. Seiner Meinung nach dürfte die Kapazität nur schwerlich zu erhöhen sein. Das Umsatzvolumen schätzt er auf 15 bis 18 Millionen Franken. Dass auch die Hoteliers der Riviera ihre Freude daran haben, glaubt man ihm gern. Doch lassen wir ihn selber zu Wort kommen: "Zusammen mit den Wochen des Jazzfestivals ist der Weihnachtsmarkt die Zeit, wo in Montreux am meisten los ist. An seinem Ursprung stand die Einsicht, dass unsere Stadt wohl als Destination für Sommerurlauber, nicht aber als eine für Winterurlauber wahrgenommen wurde. Was ursprünglich einen geschäftlichen Zweck hatte, wurde mit der Zeit immer touristischer. Schon nach 5 oder 6 Jahren mussten wir die Leute von weiter her holen. Heute werben wir für unseren Weihnachtsmarkt in Italien, Frankreich, Deutschland und England! Aber wir sind sehr darauf bedacht, dass das Geschäftliche den Erlebniswert, die Freude, dabei zu sein und bummelnd Neues zu entdecken, nicht in den Hintergrund drängt!" Vom Elsass nach Basel Der Weihnachtsmarkt von Basel, mit dem Montreux eine Partnerschaft unterhält, erfährt dieses Jahr seine 26. Auflage. Damit ist er einer der ältesten der Schweiz. Das hat auch mit der Nähe zum Elsass und zu Deutschland zu tun, denn nicht umsonst besteht eine Partnerschaft mit Colmar, Mülhausen und Freiburg im Breisgau, die sich in einem gemeinsamen Prospekt niederschlägt. An 120 Ständen und kleinen Holzbuden werden Handwerkserzeugnisse und landwirtschaftliche Produkte aus der Basler Landschaft und dem Schwarzwald feilgeboten. Vom 29. November bis 23. Dezember besuchen mehrere Hunderttausend Leute - ja vielleicht ist es mittlerweile eine Million - aus nah und fern den Markt am Barfüsserplatz. "Wer im Stadtzentrum zu tun hat, macht hier Halt", meint der für die Organisation verantwortliche Beat Wüthrich. Ein Bäcker aus Dresden bäckt hier seine Dresdner Stollen. Und wie er haben viele Handwerker - so etwa die Glasbläser - ihre Werkstatt an den Barfüsserplatz verlegt. Für die Dauer des Weihnachtsmarkts entstehen hier auch zwei Restaurants: das "Alpenrestaurant" mit seinen Weihnachtsrösti und das Restaurant "Zum Engel". Zwischen dem deutschen Bahnhof und dem französischen und Schweizer Bahnhof verläuft die längste Weihnachtsstrasse der Schweiz: Geschmückte Strassen, Ausstellungen und Konzerte - alles gibt es da zu sehen und zu hören! Die verzauberte Hauptstadt Bern zählt gleich zwei Weihnachtsmärkte, die beide 27 Jahre alt sind. Am Waisenhausplatz gibt es vom 3. bis 29. Dezember an 51 Ständen Weihnachtsartikel und Artikel für den täglichen Gebrauch zu kaufen. Der Weihnachtsmarkt am Münsterplatz, der vom 3. bis 24. Dezember dauert, wartet an 33 Ständen mit Handwerks- und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Berner Landschaft auf. Und wer sich mit Berner Gaumenfreuden vertraut machen will, kann sich da das Kochbuch Berner Weihnachtsmärkte kaufen. Bern Tourismus wirbt für seine beiden Weihnachtsmärkte in Europa und den Vereinigten Staaten. Sogar Reisegesellschaften aus Frankreich und Italien lockt es nach Bern. Der grösste überdachte Weihnachtsmarkt Europas Die Zürcher Bahnhofshalle wird vom 25. November bis 31. Dezember zum eigentlichen Marktdorf. Der diesjährige 12. Christkindlimarkt zählt rund 150 Häuschen und einen 15 m hohen Weihnachtsbaum. Damit verwandelt sich der Zürcher Bahnhof für mehr als einen Monat in den grössten überdachten Weihnachtsmarkt Europas. Sein Ruf reicht weit über die Landesgrenzen hinaus - kein Wunder, wenn man bedenkt, dass hier täglich über 350 000 Leute vorbeikommen. Unter den Ausstellern finden sich auch viele Ausländer, so etwa Russen, Franzosen, Südamerikaner, Deutsche, Österreicher, Italiener und Japaner. Zum dritten Mal in Folge, diesmal vom 2. bis 18. Dezember, macht auch Luzern seinen Bahnhof für den Christkindlimarkt frei. Dreissig Häuschen mit Produkten aus der Innerschweiz machen täglich 60 000 Pendler auf sich aufmerksam. Genf, die Internationale Der internationale Genfer Weihnachtsmarkt findet dieses Jahr zum 8. Mal statt. Er dauert vom 25. November bis zum 24. Dezember und bietet Ausstellern aus der Schweiz und Europa eine Plattform. Ein Weihnachtsumzug mit Artisten des Cirque de Noël, der eine Woche lang in der Ebene von Plainpalais zu Gast ist, führt durch die ganze Stadt. Als eine von vielen Attraktionen wird die Herstellung von Schokolade gezeigt, und für Kinder gibt es einen Malwettbewerb. Die Innerschweiz, Heimat der Weihnachtsmärkte Nirgendwo in der Schweiz gibt es so viele Weihnachtsmärkte wie in der Innerschweiz: Luzern, Einsiedeln, Willisau, Brunnen, Stans - wo er zum 14. Mal stattfindet -, ja sogar der Pilatus hat seinen Weihnachtsmarkt. In der kleinen Klosterstadt Einsiedeln im Kanton Schwyz hat sich der Weihnachtsmarkt einen besonders eindrücklichen Ort ausgesucht: den Platz vor dem prächtigen, aus dem 18. Jahrhundert stammenden Benediktinerkloster. Umgeben vom Sihlsee im Osten und den Bergen des Hoch-Ybrig im Süden, empfängt der schmucke Ort vom 26. November bis zum 4. Dezember 10 000 bis 12 000 Besucher. In diesem Jahr - dem dritten, seit es ihn gibt - werden an die 150 Stände und Häuschen den Ort verzaubern. Dabei bietet sich auch gleich Gelegenheit, das Kloster zu besuchen. Wer Weihnachtslieder mag, kommt sonntags auf seine Rechnung, denn dann gibt der Chor 90 Stimmen Kostproben seiner Kunst. Seine Engelsstimmen dringen, vom Echo getragen, weit übers Land. Der Pilatus steht am 19. und 20. November im Zeichen von Weihnachtsmarkt und Märchenwelt. Dieser Markt ist der höchstgelegene seiner Art in Europa. In 2132 Metern Höhe werden an die 50 Aussteller aus der Region ihre Handwerkserzeugnisse zum Kauf anbieten. Der Drachenberg sieht dann aus wie eine Insel im Lichterglanz, und die Alphörner machen Adventschören Platz. Die historische Stadt Willisau (LU) führt ihren 9. Weihnachtsmarkt mit seinen rund 100 Ausstellern vom 1. bis 4. Dezember im Stadtzentrum durch, wo seit dem Mittelalter der Wochenmarkt abgehalten wird. Etwas ganz Besonderes ist der Weihnachtsmarkt von Brunnen im Kanton Schwyz, hat er sich doch als Standort den Felsenkeller der A. Dettling, einer ehemaligen Sektkellerei, ausgesucht. Über 40 Stände drängen sich in dieser Märchengrotte. Wir haben auf unserem Rundgang nur einen kleinen Teil der Schweizer Weihnachtsmärkte besucht, denn da sind noch die von St. Gallen, Winterthur, Freiburg, Bulle, Bremgarten, Brienz und Chur, um nur einige zu nennen. Auch von ihnen geht dieser Weihnachtszauber aus, der so gut in unsere Zeit mit ihrer Bilderflut und ihrem schönen Schein passt. Doch seien wir unbesorgt: In der Tiefe der Herzen und im Schoss der Familie dauert der Weihnachtszauber an, ob mit oder ohne Weihnachtsmarkt ...
Montreux: www.montreuxnoel.ch Schweizer Revue - 2005 |
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