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Weihnachtsdekoration

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Reinhold K. Müller
Holzbildhauermeister - Anerkannter Kunsthandwerker
Ein Portrait

Klaus und ich haben im Februar einen kleinen Abstecher ins Erzgebirge gemacht. Es war unser erster Besuch in diese wunderschöne Gegend von Deutschland und hoffentlich nicht der letzte. Unser Ziel war Stützengrün ein kleiner Ort mitten in einer Landschaft von sanften Hügeln und Wäldern. Dort, fast etwas versteckt, lebt ein Künstler, der unsere Krippenfiguren geschnitzt hat.

Reinhold K. MüllerDie erste Frage ergibt sich von selbst: wie hat alles angefangen? Wollten sie schon als Kind mit Holz arbeiten?

Bis auf einige kleine Holzschiffe, die ich im Wald hinter dem Haus schnitzte, habe ich die Gestaltung von Figuren aufs Zeichenpapier begrenzt. So richtig mit Holz fing die Geschichte erst im 16. Lebensjahr an.

Wie ich von ihrem umfangreichen Portfolio weiß, beschränken sie sich nicht nur auf das Schnitzen von Krippenfiguren. Was stellen sie sonst noch her?

Am Liebsten fertige ich natürlich immer wieder Figuren. Dabei sind heimatlich - erzgebirgische Figuren ebenso vertreten, wie Madonnen und Christusfiguren. Aber auch berufstypische Darstellungen werden von meinen Kunden bestellt und da kommt es schon mal vor, dass ein Schmied, ein Zimmermann, oder auch ein Stellmacher verlangt wird. Das fordert immer wieder die Kreativität. Zur Zeit arbeite ich an einer 4,50 m hohen Pyramide mit Figuren in einer Größe von ca. 60 cm. Dabei muss man sich jeden Tag besonders auf die Arbeit ein- und umzustellen und das macht viel Spaß.

Möbelschnitzerei, Schrift und Reliefdarstellungen, Grabmalgestaltungen und Schnitzereien auf Jagdwaffen gehören da natürlich auch mit zum Arbeitsumfeld, wenn dies alles auch nur einen geringen Teil der Betätigung ausmacht.

Alles aber, was meine Werkstatt verlässt, wird individuell in reiner Handarbeit gefertigt. Eine maschinelle Vorfertigung mit Fräs- und Kopiermaschine gibt es bei mir nicht.

Woher kommt die Inspiration?

Mit offenen Augen und Freude durchs Leben gehen und an allen Dingen, die die Natur uns zeigt, lernen und das Gesehene im Kopf speichern. Im richtigen Moment sollte es abrufbar sein, aber wie schon gesagt: sollte...

Was war die größte Krippe, die sie je geschnitzt haben und aus wie vielen Figuren bestand sie?

Die größten Figuren für eine Krippe waren ca. 60 cm, die meisten Figuren zu einer Krippe, allerdings nur in einer Größe von 12 cm, waren etwa 50.

Verkündigungsengel

Vier Evangelisten v.l. Lukas, Matthäus, Markus und Johannes

Hirten musizierend

Musikanten

Die Heiligen Drei Könige auf dem Weg nach Bethlehem

König Herodes mit Soldaten

Maria und Josef

Schnitzen sie das ganze Jahr Krippenfiguren? Wenn ja, ist bei ihnen das ganze Jahr durch Weihnachten? Ich meine das eher von der Lebenseinstellung her.

Ich schnitze wirklich fast das ganze Jahr Weihnachtskrippen und es macht mir immer wieder Freude. Vielleicht auch deshalb, um auf den zweiten Teil der Frage hinzuweisen, weil ich dieses Weihnachtsgefühl immer habe. Es gibt ja fast täglich Situationen, die in Verbindung mit der Krippe zu bringen wären. Beginnend von der Anbetung, bis hin zur Freude, die die Christgeburt nicht nur zur kalendarischen Weihnachtszeit auslösen kann. Und je länger man diese Arbeiten macht, um so mehr beschäftigt man sich mit den einzelnen Figuren. Josef hat es mir zur Zeit besonders angetan. Was wäre geworden, wenn die Geburt Christi in der heutigen Zeit stattgefunden hätte?

HirteWie feiern sie und ihre Familie Weihnachten?

Das wird wohl ein etwas längerer Abschnitt in diesem Frage / Antwort Gespräch.

Weihnachten möchte ich nicht auf die eigentlichen Feiertage beschränken. Die Vorweihnachtszeit, mit all den vielen Lichtern in den Fenstern der Häuser im Erzgebirge ist ein nicht wegzudenkender Teil dieser Zeit und stimmt besonders auf Weihnachten ein.

Der Heiligabend beginnt mit der Christfesper am Nachmittag. Bis dahin hatte meine Frau eine Menge Arbeit. Das Weihnachtsessen, meist eine Gans, musste schon fertig sein, denn bis zum Essen am Heiligabend ist es ja nicht mehr lange hin. Pünktlich 18.00 Uhr, mit dem Läuten der Glocken beginnt das Essen. Es gibt die Gans und grüne Klöße (aus rohen Kartoffeln). Dazu natürlich Sauerkraut und Rotkraut. Im Anschluss noch verschiedene Sorten Kompott.

Es gibt das beste Geschirr, die besten Gläser zum Wein und wer hat, noch das nötige Tafelsilber. Es soll ein Festmahl sein, das sich vom normalen Feiertagen im Jahr deutlich abhebt. Nicht die Menge des Essens ist ausschlaggebend, wohl eher die Art und das, was drum herum geschieht. Die Gedanken sind dann oft bei denen die uns nahe stehen und natürlich auch bei denen, die nicht mehr bei uns sind.

In der Tradition gibt es das "Neinerlaa", das aus neun verschiedenen Essensorten besteht, aber im Eigentlichen doch eine Menge Aberglauben beinhaltet. Deshalb verzichten wir selbst darauf.

Im Anschluss findet die Bescherung statt. Der Weihnachtsmann ist in vielen Familien mit Kindern nicht wegzudenken und dabei springen hilfreich alle Nachbarn ein, um den Vater bei dieser wichtigen Handlung zu entlasten. Unser großer Sohn erledigt diesen "Dienst" bei den Nachbarn und oftmals sind auch wir dabei mit eingeladen.

Wir selbst bekommen nach der Bescheerung, so gegen 22.00 Uhr noch mal Besuch von unseren Freunden, oder wir gehen zu ihnen und schenken uns eine Kleinigkeit. Da gibt es dann schon mal ein Glas selbst gemachte Marmelade, oder eine kleine Fotosammlung, die an gemeinsam Erlebtes erinnert. Wir finden diesen ruhigen, besinnlichen Abend wunderschön.

Am 1. Feiertag früh beginnt dann um 6 Uhr die Christmette und nach dem Gottesdienst 9.30 Uhr trifft sich die Familie zum gemeinsamen Frühstück und Mittagessen. Da kommen dann auch die Geschwister, die nicht mehr hier zu Hause sind und besuchen uns und "ihre Erinnerungen".

(Herbst 2002)

Besuche die Website des Künstlers.

 

 



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