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Johann Wanners Weihnachtswelt

Johann Wanners Weihnachtswelt

Als Designer gibt Johann Wanner alle Jahre wieder den Trend der Weihnachts-
dekoration vor. Und sein Laden in Basel ist das Mekka für Kunden aus aller Welt, für die Weihnachten das Fest der Feste ist. Johann Wanner legt hier sein persönliches Weihnachtsbuch mit klassischen und individuellen Dekorationsideen vor. Es bietet leicht umsetzbare Anregungen für die Christbaumgestaltung und Inspirationen für ein frohes Fest.

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Wanners WeihnachtsladenVon Bären, Bäumen und Biedermann

In einer Zeit, wo der röhrende Hirsch überm Sofa, Häkeldeckchen unter der Ziervase und Gummibärchen am Revers fast zum guten Ton gehöhren, macht der Kitsch auch vor einer Domäne nicht halt, in der er schon immer erlaubt war: beim Weihnachtsbaum. Die BaZ befragte den Basler Profi-Weihnächtler Johann Wanner über Trends und Moden beim Christbaumschmuck.

Von Anita Lehmeier, Foto von Margrit Schnetz
Basler Zeitung - Samstag, 10. Dezember 1988

Johann Wanner Weihnachtsstube, Schneidergasse 7, Basel

Johann Wanner muss wissen, was dieses Jahr beim Weihnachtsbaumschmuck angesagt ist, schliesslich ist er nicht nur ganzjähriger professioneller Weihnachtsmann, er setzt als weltweit grösster Händler von mundgeblasenem und handgemaltem Christbaumschmuck Trends und Moden. Nicht ohne Stolz erzählt Wanner, dass sich Filmstars aus "Dallas" in Hollywood ihre Bäume beziehungsweise Palmen mit Wannerschmuck behängen und ein "Wannerbaum" in der Weihnachtsfolge von "Denver" über den Bildschirm flimmert.

Dass der Kitsch wieder Urständ feiert, bestätigt sich in Wanners Weihnachtsladen in Basel, auch wenn er den Begriff Kitsch nicht mag: "Der bunte Biedermeierbaum ist der Verkaufsrenner dieses Jahr. Rund 65 Prozent aller Kundinnen und Kunden kaufen aus diesem vielfältigen Sortiment." Ein Biedermeierbaum aus den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts ist eine kunterbunte Sache mit allen möglichen und unmöglichen Motiven: Währen sich die Farbpalette auf die Grundtöne Blau, Rot und Gelb beschränkt, reichen die Motive quer durch die Fauna (Elefanten, Vögel, Fische) über die Lebensmittelabteilung (Gemüse, Nüsse, Trauben, Bananen, Erdbeeren, Lebkuchenhäuschen) zu den Klassikern wie Kugeln, Sterne, Zapfen, Sakralem wie Engeln, Nikoläusen und Krippen und ganz profanem wie Autos, Radios, Violinen und Trompeten - selbstverständlich alles aus Glas im Miniaturformat. "Für viele ist der bunte Biedermeierbaum der klassische Baum, obwohl es den eigentlich gar nicht gibt. Denn Christbaumschmuck unterwarf sich stets den gängigen Moden. Für jeden ist der klassische Baum der seiner Kindheit", erklärt der Profi-Weihnächtler. Seine dezente Kleidung aus feinem Tuch und Hemden mit Namenszug beweisen, dass guter Geschmack im ganzjährigen Umgang mit Kitsch unerlässlich ist.

Der Biedermeierbaum hat dem modisch gestylten und zu Teppich, Vorhang und Tapete assortierten gegenüber einen grossen Vorteil: Man kann all die Figürchen vergangener Christfeste wiederverwenden und mit neuen ergänzen, währenddessen man beim Modebaum bei Null angefangen muss - derselbe "Trick" wie bei der Kleidermode: Das zarte Senfgelb der letzten Saison lässt sich unmöglich mit dem leuchtenden Rot dieses Quartals kombinieren…

Wer diese Weihnachten modischs Flair beweisen will, dekoriert seinen Immergrünen mit einem zarten Fliederton oder kräftigem Violett oder beidem zusammen. Diese Farben sind natürlich nicht nur ein "Must" bei den Kugeln, sondern auch für Kerzen, "Syydebändeli" (Seidenbänder - diese stammen nicht mehr aus Basel, sondern werden exklusiv für Wanner in China gewoben), Glasperlenschnüre und Samtrosen.

Wer der Mode sogar einen Schritt voraus sein will, der schmücke seine Tanne an Weihnachten 1988 mit schwarzen Kerzen und Bändern, kombiniert im lieblichen "Peach", zu deutsch Pfirsichton. "Diese Töne kommen erst nächstes Jahr ganz gross raus." Seine Inspiration holt sich Johann Wanner weniger an Messen und Ausstellungen als vielmehr in der Modebranche direkt.

1988, so etwas wie das "Jahr des Teddybären" (nicht nur bei Kindern gesichtet), feiert quasi ein Finale furioso an Weihnachten: Meister Petz als Christbaumschmuck. Bären in allen Formen, Grössen und Materialien, mit oder ohne Brummstimme, aus Mohair, Stoff, Schokolade oder Glas hängen am Baum: alles zu haben bei Johann Wanner. Auch ein ganz gewöhnlicher Steiff-Teddy lässt sich mit einem Paar Silberflügel in einen Bärenengel verwandeln. "Fertig-Bärenengel" mit Spitzengewand kann man ebenfalls bei Wanner erstehen. Wer keinen Neffen oder keine Cousine hat, die den Bärenengel nach Weihnachten "zivil" weiterverwertet, kann das Plüschvieh sicherlich an Ostern mit Eiern und Blümchen dekorieren. Bis dahin dürfte das Zeitalter des Kitschs noch andauern…

Johann Wanner Weihnachtsstube, Schneidergasse 7, Basel, Telefon: 061 / 261 50 00

 

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